Analyse der Trainings- und Wettkampfinhalte
beim Eiskunstlaufen - DM1981 in Unna und EM1981 in Innsbruck
von Sepp Schönmetzler, Hrsg. Deutscher Sportbund (dsb)
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TEXTTEIL
1. EINLEITUNG
Eiskunstlauf stellt als kompositorische Sportart höhere Anforderungen an die Vielseitigkeit der Athleten als weithin erwartet wird, Uberdurchschnittliche
Leistungsfähigkeit ist im Ausdauer ebenso wie im Kraft-, Gelenkigkeits- und Geschicklichkeitsbereich notwendig. Diese Leistungskomponenten sind allerdings
nur in Verbindung mit anderen Eigenschaften wie Musikalität, Bewegungsgefühl, Kreativität etc., die man üblicherweise unter dem Begriff Talent zusammenfaßt,
und einer entsprechend geschickten taktischen Betreuung erfolgversprechend. Diese verwirrende Anzahl gleichberechtigter Einflußfaktoren führte immer wieder
zur Dominanz subjektiver Betrachtungsweisen bei der Beurteilung der Leistung des Eiskunstläufers.
So zieht sich die Subjektivität wie ein roter Faden durch das Leben von Läufern, Trainern und Funktionären. Bereits in den ersten Eislaufjahren wird das Streben
von Trainer und Schüler sehr vom subjektiven Wirkungsgrad der Darbietung geprägt. Der Weg des Eiskunstläufers führt durch eine nach Schwierigkeiten
gestaffelte Reihe von Leistungsklassen, bei deren Einrichtung das Alter der Betroffenen keine Rolle spielen kann. Dadurch bestimmt der Grad der Erfüllung
regelorientierter Aufgabenstellung in erster Linie den Trainingsverlauf. Die Regelgebung orien-tiert sich wiederum nicht an methodischen Notwendigkeiten,
abgestimmt auf die altersbedingten Bedürfnisse des sporttreibenden Kindes, sondern am übergeordneten Ziel der Höchstleistung des erwachsenen Sportlers.
So kann ein 10jähriges Mädchen laut Regel 626 der Deutschen Eiskunstlauf-Bestimmungen in der Meisterklasse starten, wenn sie die notwendigen
Klassenlaufprüfungen bestanden hat. Sie ist dann dem Wettbewerbsdruck durch ältere, etablierte Läuferinnen ausgesetzt, was unter ungünstigen Bedingungen
zum Risiko der überhöhten Beanspruchung führt. Altersklassen wie in anderen Sportarten lassen sich im Eiskunstlaufen nicht ohne weiteres einrichten, da es
sich bei der Mehrzahl um Jugend-liche handelt.
Es ist bekannt und gilt als bewiesen und immer wieder bestätigt, daß die günstigen Voraussetzungen zum Erlernen von komplizierten und riskanten
Bewegungstechniken an das Alter vor der Pubertät gebunden sind. Die mit der Pubertät einsetzenden Veränderungen der Körperbaumerkmale sowie der
psychischen Gesamtsituation komplizieren den Lernprozeß in eindeutiger Art und Weise. Überlegung tritt an die Stelle unerfahrener Unbekümmertheit, was die
Risikofreudigkeit mindert und größere Barrieren vor neu zu erlernenden Techniken aufbaut. Wie im Frauenturnen findet man die zukünftigen Meister unter den
10 - 12jährigen, die alle
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auf der Basis sauberer Sprungtechniken sichere Doppelsprünge und dann und wann Dreifachsprünge präsentieren.
Auf der Grundlage sicherer Technik beginnt nach der Pubertät die Phase der verstärkten Entwicklung der individuellen Persönlichkeit, die sich im Gesamtbild der
nach ästhetischen Gesichtspunkten beurteilten künst-lerischen Darbietung ausdrückt.
Nicht das "Rennen von Sprung zu Sprung", sondern die Verschmelzung von technischer Höchstleistung und vollendeter Darbietung ist das Ziel aller
Bemühungen und bewegt Laien und Fachleute zu positiver Beurteilung.
Große Probleme werden immer wieder bei Läufern sichtbar, deren Grundtechniken nicht frühzeitig abgesichert wurden. Technische Mängel, auch bei einzelnen
Sprungarten bedeuten seit Einführung von Kürklassen und Kurzküren eine nicht zu übersehende Belastung des Läufers, der in dieser Phase seiner sportlichen
Laufbahn um Stabilisierung und Variation richtiger Techniken sowie um seine künstlerische Ausdruckskraft bemüht sein sollte.
Persönlichkeit kann der Sportler bekanntlich erst im Alter menschlicher Reife entwickeln. Dies trifft natürlich auch für die sportliche Persönlichkeit zu und
bedeutet, daß das oben beschriebene Ziel erst im Alter von ca. 17 - 22 Jahren endgültig angesteuert werden kann. Wenn man an dieser Stelle die Hypothese
bestätigt, von der oben die Rede war, muß zu diesem Zeitpunkt der eigentliche Technik-Lernprozeß in den wesentlichen Bestandteilen im Sinne einer
Frühspezialisierung abgeschlossen sein. Bei Berücksichtigung der Jahre, in denen die Vorgänge der Pubertät für die Entwicklung maßgebend sind, muß also
der Eiskunstläufer oder die Läuferin im frühen Alter von 8 13 Jahren das eigentliche Techniktraining erfolgreich abschließen.
Damit wird eine der Hauptphasen des Eiskunstlauftrainings zum reinen Kindertraining, das durch ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Kind und Erwachsenen
geprägt wird. Die daraus resultierende Verantwortung für Ubungsleiter, Eltern und Funktionäre verpflichtet zu wissenschaftlichen. Untersuchungen zum Zweck
der ständigen Neuorientierung.
2. ZIELSETZUNG
Die vorliegende Datensammlung soll als Nachschlagewerk den Einstieg in Fachdiskussionen und Problemstellungen bei sportwissenschaftlichen
Untersuchungen erleichtern. Sie stellt keineswegs eine vollständige Analyse der Trainings- und Wettkampftätigkeiten dar, vielmehr soll sie Anstöße für solche
geben.
Die Sichtung des Materials durch Trainer, Übungsleiter, Läufer und
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Funktionäre sowie die Erkenntnisgewinnung durch weiterführende kausale Analysen sollte schließlich zu einer Sichtung der komplexen Problematik beim
Eiskunstlaufen und einer entsprechend praxisrelevanten Fragestellung bei den notwendigerweise folgenden, gezielten sportwissenschaftlichen Untersuchungen
führen.
Planungsmodell für Untersuchungen beim Eiskunstlaufen
Im Planungsmodell für den Eiskunstlauf werden die für notwendig erachteten Aktivitäten zusammengefaßt und in Verbindung zueinander gesetzt. Erste
Planungen befassen sich mit grundlegenden Überlegungen bezüglich der zu bearbeitenden
Thematik
und den davon betroffenen
Zielgruppen.
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Beispiele:
Thematik
Technik
- Sprünge
- Pirouetten
-
- Hebefiguren
- "Wegwerfsprünge"
Kondition
- Kraft
- Ausdauer
- Koordination
Veranlagung
- Bewegungsgefühl
- Kreativität
- Musikalität
Umwelt
- soziale Belastung
- Trainer-Schüler-Verhältnis
- Leistungssport und Ausbildung, Beruf
Zielgruppen
Läufer
- Damen, Herren, Junioren, Senioren, Meister
Trainer, Übungsleiter, Sportlehrer (Schule, Hochschule), Preisrichter, Funktionär, Wissenschaftler.
Alle Fragestellungen können erst dann praxisrelevant formuliert werden, wenn allen Diskussionsteilnehmern objektive Informationen grundlegender Art zur
Verfügung stehen.
Dies geschieht durch die
Datenerhebung,
d.h. die Protokollierung der Trainings- und Wettkampfinhalte durch Eiskunstlaufexperten.
Die folgende
Analyse
zerlegt und ordnet das Material nach praktischen Gesichtspunkten. Die damit herausgestellten Elemente können nun untereinander oder zu anderen bereits
vorliegenden Elementen in Beziehung gebracht werden (siehe Datenteil).
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Interpretationen dieser Zusammenhänge führen unvermeidlich zum Bedarf nach tiefergehenden Informationen. Diese können durch
Diagnose und Forschung
von den einzelnen sportwissenschaftlichen Disziplinen geliefert werden (z.B. räumliche Analyse von Eiskunstlaufsprüngen).
Eine Aufarbeitung zu verständlichen praxisnahen Lehrmaterialien erfolgt in Zusammenarbeit mit der
Trainingslehre.
Damit erreichen wertvolle Erkenntnisse den Endverbraucher, d. h. Trainer, Übungsleiter, Preisrichter und Funktionäre oder den an der weiteren Bearbeitung
interessierten Wissenschaftler.
Die Beteiligung der in der Sportpraxis Tätigen an der
Entwicklung praxisrelevanter Fragestellung
dürfte allgemein gesehen die Verbindung von Theorie und Praxis fördern und zur
Verbreitung sportwissenschaftlicher Grundkenntnisse
beitragen.
Ein weiteres damit verbundenes Ziel ist der
Abbau von Vorurteilen,
die sich u.a. in der unrealistischen Forderung vieler Trainer an die Sportwissenschaft nach Rezepten gegen alle möglichen Arten sportlichen Fehlverhaltens
ausdrücken. Sie basieren auf einem eindeutigen Informationsdefizit über die Aufgaben und Möglichkeiten der Sportwissenschaft. Versäumnisse sind sowohl
Praktikern als auch Theoretikern anzulasten und sollen durch intensive Bemühungen beidseitig Interessierter abgebaut werden. Besondere Verdienste werden
dabei der jungen Sportwissenschaft Trainingslehre gutgeschrieben, die sich u.a. zum Ziel gesetzt hat, das kaum zu übersehende Material aus allen
Wissenschaftsdisziplinen für den Praktiker zu ordnen und verständlich zu machen.
Voraussetzung für jede erfolgreiche Kommunikation ist das Vorhandensein grundlegender objektiver Informationen und Definitionen, die allen Beteiligten
zugänglich und verständlich sind.
Die Subjektivität kennzeichnet die Meinungsbildung beim Eiskunstlaufen mehr als in allen anderen Sportarten.
Der Schwierigkeitsgrad der Bewegungsabläufe und die Schnelligkeit, mit der die Leistungsentwicklung im Kindes- und Jugendalter vollzogen wird, zwingt aber
immer mehr zum Versuch der
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Objektivierung
der Kontrollverfahren, die im Trainingsprozeß angewendet werden.
Die objektive Aufzeichnung von Trainings- und Wettkampfinhalten auf nationaler und internationaler Ebene von der Junioren- bis zur Meisterklasse zeigt nicht
nur querschnittartig das momentane Leistungsgefälle zwischen Individuen oder Gruppen, sondern verspricht
Transparenz der Entwicklungstendenz,
welche u.U. Anlaß zu sportpolitischen Entscheidungen geben.
3. AUFZEICHNUNG DER TRAININGS- UND WETTKAMPFINHALTE
Während der Deutschen und Europameisterschaften im Eiskunstlaufen wurde mit der Hilfe von Experten eine weitgehend objektive Analyse von Trainings- und
Wettkampfinhalten mit der Erfassung von Kürelementen aller Teilnehmer der Einzelkonkurrenzen eingeleitet.
Folgende Sport- und Trainerstudenten waren an der Protokollierung der Elemente beteiligt:
Gundi Haase (Trainerakademie)
Christine Henke (Deutsche Sporthochschule Köln)
Isabel Jagals de Navarre (Trainerakademie)
Harald Kuhn (Deutsche Sporthochschule Köln)
Die Aufzeichnung der ausgeführten Elemente erfolgte in den letzten Vorbereitungstagen am Wettkampfort und während der Wettbewerbe.
Erfaßt wurden:
Sprünge,
Pirouetten
und Schritte,
zusammen mit der ungefähren
Ausführungszeit,
bezogen auf die gesamte Trainings- oder Wettkampfdauer.
Die Wertung beschränkte sich mit Rücksicht auf die Objektivität der Aufzeichnung auf die mit Sicherheit zu treffende Aussage, ob der Sprung
gelungen
war, mit einem
Sturz
endete oder im Sinne der Regelgebung als
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schwach
zu bezeichnen war, was den Preisrichter zu entsprechenden Abzügen veranlassen mußte.
Als schwach wurden somit Sprünge eingestuft, bei denen der Läufer
- den zweiten Fuß aufsetzte,
- mit ein oder zwei Händen das Eis berührte,
- auf vorwärts mit einem "Dreier" landete,
- nach der Landung überdrehte
oder ähnliches.
Ein Sturz lag dann vor, wenn der Läufer mit beiden Knien oder dem Rumpf das Eis berührte.
Die Aufzeichnung der Schritte erwies sich als problematisch und wurde auf die vorgeschriebenen Kurzkür-Schritte beschränkt, die vom Läufer offensichtlich in
ganzer Länge vorgetragen wurden.
4. DARSTELLUNG DER AUFGEZEICHNETEN DATEN
4.1 Auf Personen bezogen
Ziel der Zusammenfassung in Diagrammen und Tabellen ist die übersichtliche, leicht erfaßbare Darstellung von Inhalten, gegliedert nach
Umfang und Intensität.
Senkrechte Linien kennzeichnen die Elemente. Die Anzahl der Linien gibt zusammen mit der tabellarischen Auflistung Aufschluß über den Umfang der einzelnen
Elemente.
Die Häufigkeit dieser Linien, d. h. die Anzahl pro Zeiteinheit, und die Kennzeichnung der Elemente als Schritte, Pirouetten, einfache, zweifache und dreifache
Sprünge lassen gewisse Rückschlüsse auf die Intensität zu. Besondere Häufung von Elementen ergibt das Auftreten breiterer schwarzer Linien. Dies kommt
meist nur bei Kombinationen und anderen dicht aufein-ander folgenden Elementen vor.
Nicht enthalten ist eine Beschreibung der Intensität, mit der die einzelnen Versuche durchgeführt wurden. Diese Wertung unterblieb mit Rücksicht auf die
erwünschte Objektivität der Information.
"Schwache" Versuche sind durch ein
„!“,
Stürze durch ein
„*“,
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das Abspielen der Kürmusik durch eine horizontale Linie mit senkrechten Abgrenzungen
,
das Verlassen der Eisbahn bzw. das Ende der Kür durch ein
"E"
gekennzeichnet.
Die Platzangabe im rechten oberen Eck bezieht sich auf den gekennzeichneten Wettbewerbsteil, nicht auf die Gesamtplazierung.
Andere Informationen wie der Name des Trainers und des Vereins sind der Vollständigkeit halber gemacht und dienen der organisatorischen Erleichterung bei
der weiteren Auswertung der Daten.
Die nach oben abschließenden horizontalen Linien dienen lediglich der Übersichtlichkeit und sind ansonsten ohne Bedeutung.
4.2 Auf Gruppen bezogen
Die Vielzahl von personenbezogenen Informationen soll aufgrund ihrer Vollständigkeit weitestgehende Interpretationsmöglichkeiten für alle Interessenten
erschließen. So ist eine gezielte Information zur Erstellung eines langfristigen Leistungsprofils sowohl einzelner Personen als auch von Gruppen möglich.
Die Zusammenfassung zu Gruppen ist notwendig, um einen schnellen und doch eindeutigen Überblick über die Zusammenhänge innerhalb einer sowie
verschiedener Gruppen zu erleichtern. Es empfiehlt sich, bei der Nutzung des Materials mit den Übersichten zu beginnen und zwecks Detailinformation in den
personenbezogenen Datenblättern nachzuschlagen.
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5. LEGENDE
In den Diagrammen und Tabellen wurden folgende Abkürzungen verwendet:
A
Axel
Ae
Axel, Landung auf rückwärts-einwärts
B
Butterfly
D
Dreiersprung
E
Euler (Rittberger auf rückwärts-einwärts)
eA
Axel, Absprung von vorwärts-einwärts
ELEM.
Gesamtanzahl der Elemente
eSi
eingesprungene Sitzpirouette
eWa
eingesprungene Waage
F
Flip
g
gewechselt
Hi
Himmelpirouette
L
Lutz
MIN
Minuten (bezogen auf die Trainings- bzw. Wettkampfdauer)
oA
offener Axel (=Flugaxel)
PIR
Diagramm: Pirouette
PIR.
Tabelle: Gesamtanzahl der Pirouetten
R
Rittberger
r
rückwärts
S
Salchow
SCHR
Diagramm: Schritte
SCHR.
Tabelle: Gesamtanzahl der Schritte
Si
Sitzpirouette
Sp
Spreizsprung
SPRG.
Gesamtanzahl der Sprünge
St
Standpirouette
T
Toeloop
VERZÖG.
verzögerte Ausführung
VZ.
verzögerte Ausführung
W
Walley
Wa
Waagepirouette
Wag
Waagepirouette, gewechselt
!
schwacher Versuch
*
Sturz
6. AUSWERTUNG DER DIAGRAMME UND TABELLEN
Die Interpretation objektiver Daten ist mit einem hohen Grad an Subjektivität behaftet. An Interpretationen gebundene Aussagen sind also mit Bedacht zu
machen und die vorliegenden Umstände mit in Rechnung zu stellen.
Bei der Auswertung sind dem Nutzer viele Möglichkeiten gegeben. Die nachfolgenden Vorschläge sind unvollständig und sollen vor allem dem Praktiker nach
dem Motto
„aus der Praxis für die Praxis"
als Anregung zur Fragestellung dienen.
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Am Beispiel verschiedener Läufer werden Merkmale und Zusammenhänge in Kurzkommentaren stichwortartig herausgestellt.
6.1 PERSONENBEZOGENE AUSWERTUNG
6.1.1 INHALT UND AUSFÜHRUNG
Beispiel: Schramm - Herren, Meister, Training, Kür (7.1.81)
- 40 Sprungversuche in 34 Minuten
- 5 verschiedene Arten von Dreifachsprüngen (Weltklasse !)
- 16 gelungene Dreifache, auch in Kombinationen
- 8 Pirouetten in wechselnder Zusammenstellung
- konsequentes Aufwärmen mit gradueller Steigerung der Schwierigkeiten
- erfolgreiches Durchlaufen mit Musik; 7 gestandene Dreifache
Beispiel: Cerne - Herren, Meister, Training, Kür (7.1.81)
- nur 3 verschiedene Arten von Dreifachen
- Pirouetten ohne viel Variationen
- nur 6 gelungene Dreifache
- im letzten Teil der Kür Anhäufung von einfachen und zweifachen Sprüngen
Beispiel: Fischer - Herren, Meister, Training, Kür (7.1.81)
- 28 Dreifache, 1 Sturz, 9 schwach
- 5 verschiedene Arten von Dreifachen (Weltklasse !)
- 8 Dreifache in den ersten 2 Minuten der Kür
Beispiel: Wieser - Herren, Meister, Training, Kür (7.1.81)
- 72 Elemente in 38 Minuten !
- 59 Sprünge
- 21 Dreifache, davon 10 schwach, 1 Sturz
- nur 2 verschiedene Arten von Dreifachen
Beispiel: Riediger - Damen, Meister, Training, Kurzkür (9.1.81)
- nur 3 Dreifache, davon 2 schwach
- 13 Pirouetten in 25 Minuten
Beispiel: Riegel - Damen, Meister, Training, Kurzkür (9.1.81)
- 13 Dreifache Salchows, 5 schwach
- 41 Sprünge in 35,5 Minuten, davon 12 schwach, 3 Stürze sogar bei einfachen Sprüngen
- Musik nicht genutzt
- Dreifach-Kombination gegen Ende der Kurzkür
Beispiel: Bauer - Damen, Meister, Training, Kurzkür (9.1.81)
- 23 Sprünge in 22 Minuten
- kein Dreifacher
- 15 schwache Versuche
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Beispiel: Massaneck - Damen, Meister, Training, Kür (10.1.81)
- 5 Stürze, 4 davon beim 2A
- 12 Jahre alt (sehr jung)
- 10 Pirouetten
6.1.2 VERGLEICH TRAINING-WETTKAMPF
Beispiel: Fischer - Herren, Meister, Kür 10.1.81
- Training: mit Musik nur 3 Dreifache
- Wettkampf: 7 Dreifache
Beispiel: Wieser - Herren, Meister, Kür (10.1.81)
- Training: mit Musik nur 1 Dreifacher
- Wettkampf: 4 Dreifache
Beispiel: Riediger - Damen, Meister, Kür (10.1.81)
- Training: mit Musik nur 4 Dreifache
- Wettkampf: 5 Dreifache
Beispiel: Dotson - Damen, Meister Int., Kür (7.2.81)
- Training: 2 Dreifache
- Wettkampf: kein Dreifacher
6.1.3 ABWEICHUNGEN VOM ÜBLICHEN TRAININGSMETHODISCHEN KONZEPT
Beispiel: Ostheimer - Herren, Meister, Training. Kür (7.1.81)
- vor dem Durchlaufen der Kür ca. 15 Min. sehr geringe Belastung (zu lang)
Beispiel: Telser - Damen, Meister, Int., Training, Kurzkür 6.2.81-8,00
- außerordentlich hohe Belastung am Vorwettkampftag durch 77 Sprünge, davon 28 Dreifache, 25 schwache Versuche und 6 Stürze (gilt ebenfalls für das
Kürtraining am Wettkampftag)
Beispiel: Dubravcic - Damen, Meister, Training, Kurzkür (6.2.81 - 7.00)
- ungewöhnlich viele Sprungkombinationen
Beispiel: Wolter - Herren, Junioren, Training, Kür (6.1.81-18,45)
- sofortige volle Belastung bei Trainingsbeginn mit Doppelsprüngen
- 9 Stürze im folgenden Training.
6.2 GRUPPENBEZOGENE AUSWERTUNG
6.2.1 ZUSAMMENHANG ZWISCHEN PLAZIERUNG UND SPRÜNGEN
Bei Junioren- und Seniorenwettbewerben sind kaum Unterschiede zwischen Anzahl der Sprungarten und Gesamtanzahl der Sprungversuche bezüglich der
Plazierung festzustellen, während die Anzahl gelungener Versuche auf den hinteren Plätzen abnimmt. Dies ist ein Hinweis darauf, daß die besseren
Plazierungen hauptsächlich durch die Qualität der Ausführung und den künstlerischen Wert erreicht werden.
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In der nationalen und internationalen Meisterklasse nimmt die Anzahl der dreifachen Sprungarten, der Gesamtversuche und der gelungenen Versuche eindeutig
mit wachsender Platzziffer ab. Vielseitigkeit und sichere Ausführung sind damit als Gütekriterien der vorderen Plätze bestätigt.
Ein Vergleich der Erst- und Zweitplazierten der Damen bei den Europameisterschaften läßt Rückschlüsse darauf zu, daß die altgediente Meisterin trotz
kleinerem Risiko (niedrigere Anzahl der dreifachen Gesamtversuche) weniger gelungene Versuche verbucht. Hier bestimmen künstlerischer Wert und andere
schwer wägbare Faktoren den Titelgewinn.
Die Kurzkür-Gesamtübersichten zeigen deutlich die Abhängigkeit guter Plätze von Risikofreudigkeit (Dreifachkombinationen) und Sicherheit.
6.2.2 ZUSAMMENHANG ZWISCHEN ZWEIFACHEN UND DREIFACHEN
Der hohe Grad der Beanspruchung und des Risikos durch Dreifachsprünge wird beim Betrachten der damit im Zusammenhang stehenden Doppelsprünge
deutlich.
- Carola Paul versucht als einzige Läuferin 4 verschiedene Arten von Dreifachsprüngen. Bei einer Gesamtanzahl von 5 Versuchen gelingen nur 2. Die Versuche,
diesen hohen Schwierigkeitsgrad zu erreichen, lassen ihr nur Zeit und Kraft für 3 Doppelsprünge, wovon einer mißlingt.
- Bei den meisten Läufern nimmt die Anzahl der Doppelsprünge bei geringfügig zunehmender Anzahl von Dreifachsprüngen deutlich ab (siehe Herren, Meister,
Wettkampf, Kür Unna).
Ausnahme ist Sanda Dubravcic, die außergewöhnlich viele Doppel- und Dreifachsprünge in Kombinationen aneinanderreiht.
6.2.3 ZUSAMMENHANG ZWISCHEN SPRUNGARTEN UND GELUNGENEN SPRUNG-VERSUCHEN
Das Risiko, Vielseitigkeit durch viele verschiedene Sprungarten zu demonstrieren, wird meist mit einer geringeren Anzahl gelungener Versuche bezahlt (siehe
Biellmann, Paul, Schramm, Kotin, Fadeev).
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Verlaufen diese Versuche allerdings erfolgreich, kann der Läufer mit einer relativ guten Plazierung in diesem Wettbewerbsteil rechnen, selbst wenn der
künstlerische Wert zu wünschen übrig läßt (siehe Kirsten).
6.2.4 VERGLEICH ZWISCHEN DAMEN- UND HERRENWETTBEWERBEN
Junioren
- Durchschnittsalter der Herren 14,2 Jahre, der Damen 13,3 Jahre
- keine gelungenen Dreifachsprünge bei Damen- und Herrenwettbewerben
- etwas höherer Schnitt der Art von Doppelsprüngen und deutlich höhere Anzahl von Gesamtversuchen bei den Herren
- bei fast allen Damen und Herren auffallend hohe Anzahl mißlunger Versuche.
Senioren
- Durchschnittsalter der Herren 15,2 Jahre, der Damen 14,5 Jahre
- geringere Teilnehmerzahl bei den Herren
- nur 1 gelungener Dreifachsprung (2. Platz Damen)
- mit Rücksicht auf die sportmotorische Gesamtentwicklung müßte im vorliegenden Alter mindestens die Grobform der Dreifachsprünge beherrscht werden.
Entsprechende Leistungen werden aber besonders bei den Herren weder im Training noch im Wettkampf erbracht.
Die Unsicherheit bei den Doppelsprüngen läßt außerdem vermuten, daß auch im Training außerhalb der Wettkampfzeit Dreifachsprünge nicht ausreichend
beherrscht werden. An dieser Stelle müßte die Spitze der Senioren mit den internationalen Junioren-Teilnehmern verglichen werden. Die dazu nötigen Daten
liegen jedoch nicht vor.
Meister - national
- Durchschnittsalter der Damen 15,3, der Herren 18,7 Jahre
- die Alterszusammensetzung ist ein Hinweis auf das frühe Eintreten von Talenten in die Meisterklasse (siehe Anke Massaneck, 12) und das verfrühte
Ausscheiden der Mädchen aus dem Leistungssport, für
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das u.a. erhöhter Konkurrensdruck durch hohe Teilnehmerzahlen und relativ hohe physische und soziale Belastung verantwortlich sind. Langfristige
Beobachtung von Aufwand, Wettkampfleistung und Alter bis zum Ende der "sportlichen Karriere" könnte zur Klärung der Ursachen beitragen.
- Die Altersdifferens ist ein eindeutiger Hinweis auf die physische Überlegenheit der Herren, die geschlechtsbedingt vorgegeben ist. Dies wird bestätigt durch die
Gesamtübersichten, die ein deutlich niedrigeres Niveau bei den Damen bezüglich Inhalt und Ausführung sichtbar machen.
So wurden bei den Herren bis zum 7. Platz in der Kür keine mißlungenen Doppelsprünge registriert, während die Damen pro Person 1,1 Doppelsprünge
verfehlten.
- Bei den Damen riskierte Ernert (5. Kürplatz) als einzige Teilnehmerin 3 verschiedene Arten von Dreifachsprüngen. Alle Versuche mißglückten.
Die ersten 3 Damen versuchten nur 3 verschiedene Arten mit bezüglich der Plazierung sinkendem Erfolg, während die Herren bis zum 10. Pla mindestens 2
Arten von Dreifachsprüngen versuchten.
Die hohe Anzahl von 5 verschiedenen Arten von Dreifachsprüngen bei den Herren repräsentiert Weltklasseniveau, das von den Damen auch international kaum
erreicht werden dürfte.
An dieser Stelle sei bemerkt, daß es sich bei der vorliegenden Arbeit nur um eine versuchsweise interpretierte Analyse der Elemente, vorrangig der Sprünge,
handelt. Das Ergebnis soll keineswegs das Eiskunstlaufen der Damen abwerten. Vielmehr kann anhand der krassen technischen Unterschiede die
voraussehbare Auseinanderentwicklung zwischen Damen- und Herrenwettbewerben deutlich gemacht werden.
Die möglicherweise folgende Erkenntnis, daß das Damen-Eiskunstlaufen von einer Betonung der Sprünge in der Gesamtheit eher geschädigt als gefördert wird,
könnte u.U. zu einem entkrampfenden Umdenken führen, so daß Damen wie Herren entsprechend den naturgegebenen Möglichkei eiskunstlaufen können.
Seite 19
Meister - international
- Durchschnittsalter der Damen 17,8 Jahre, der Herren 19,3 Jahre
Im Sammelbecken der Spitzenläufer der eislaufenden europäischen Nationen besteht zwischen Damen und Herren kein so deutlicher Altersunterschied wie auf
nationaler Ebene.
- Bei den Damen mißlingt pro Person im Durchschnitt die Hälfte von 2,2 Dreifachen, bei den Herren nur ein Drittel von 4,5, was auf die körperliche Überlegenheit
der Herren zurückzuführen ist.
Die Damen kompensieren dies teilweise durch erhöhte Anzahlen von Doppelsprüngen.
- Bei der Kurzkür präsentiert sich ein ähnliches Bild wie bei den Küren.
7. ABSCHLIESSENDE BEMERKUNGEN UND AUSBLICK
Den Interpretationsmöglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt. Jeder Interessent soll eigene Erfahrungen und entsprechende Gesichtspunkte einfließen lassen.
Daraus entstehende Widersprüche müssen zu konkreten Fragestellungen formuliert und anhand gezielter Analysen untersucht werden.
Die Nutzbarkeit von Statistiken oder ähnlichen, weniger anspruchsvollen Datensammlungen hat Grenzen, die auch im vorliegenden Fall nur schwer erkennbar
sind. Mit Rücksicht auf diese Problematik kann die "Analyse" mit den anschließenden Interpretationsbeispielen jedoch als Basismaterial in nutzbringender Weise
verwendet werden.
Der vorliegende Querschnitt des Leistungsstands 1981 auf nationaler und europäischer Ebene sollte sinnvoll ergänzt werden durch Trainings- und
Wettkampfanalysen, die langfristig über die Gesamtentwicklung dieser Sportart Aufschluß geben.
zum DATENTEIL, Seite 20
Analyse der Trainings- und Wettkampfinhalte
beim Eiskunstlaufen - DM1981 in Unna und EM1981 in Innsbruck
von Sepp Schönmetzler, Hrsg. Deutscher Sportbund (dsb)
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TEXTTEIL
1. EINLEITUNG
Eiskunstlauf stellt als kompositorische Sportart höhere Anforderungen an die Vielseitigkeit der Athleten als weithin erwartet
wird, Uberdurchschnittliche Leistungsfähigkeit ist im Ausdauer ebenso wie im Kraft-, Gelenkigkeits- und
Geschicklichkeitsbereich notwendig. Diese Leistungskomponenten sind allerdings nur in Verbindung mit anderen
Eigenschaften wie Musikalität, Bewegungsgefühl, Kreativität etc., die man üblicherweise unter dem Begriff Talent
zusammenfaßt, und einer entsprechend geschickten taktischen Betreuung erfolgversprechend. Diese verwirrende Anzahl
gleichberechtigter Einflußfaktoren führte immer wieder zur Dominanz subjektiver Betrachtungsweisen bei der Beurteilung der
Leistung des Eiskunstläufers.
So zieht sich die Subjektivität wie ein roter Faden durch das Leben von Läufern, Trainern und Funktionären. Bereits in den
ersten Eislaufjahren wird das Streben von Trainer und Schüler sehr vom subjektiven Wirkungsgrad der Darbietung geprägt.
Der Weg des Eiskunstläufers führt durch eine nach Schwierigkeiten gestaffelte Reihe von Leistungsklassen, bei deren
Einrichtung das Alter der Betroffenen keine Rolle spielen kann. Dadurch bestimmt der Grad der Erfüllung regelorientierter
Aufgabenstellung in erster Linie den Trainingsverlauf. Die Regelgebung orien-tiert sich wiederum nicht an methodischen
Notwendigkeiten, abgestimmt auf die altersbedingten Bedürfnisse des sporttreibenden Kindes, sondern am übergeordneten
Ziel der Höchstleistung des erwachsenen Sportlers. So kann ein 10jähriges Mädchen laut Regel 626 der Deutschen
Eiskunstlauf-Bestimmungen in der Meisterklasse starten, wenn sie die notwendigen Klassenlaufprüfungen bestanden hat. Sie
ist dann dem Wettbewerbsdruck durch ältere, etablierte Läuferinnen ausgesetzt, was unter ungünstigen Bedingungen zum
Risiko der überhöhten Beanspruchung führt. Altersklassen wie in anderen Sportarten lassen sich im Eiskunstlaufen nicht
ohne weiteres einrichten, da es sich bei der Mehrzahl um Jugend-liche handelt.
Es ist bekannt und gilt als bewiesen und immer wieder bestätigt, daß die günstigen Voraussetzungen zum Erlernen von
komplizierten und riskanten Bewegungstechniken an das Alter vor der Pubertät gebunden sind. Die mit der Pubertät
einsetzenden Veränderungen der Körperbaumerkmale sowie der psychischen Gesamtsituation komplizieren den Lernprozeß
in eindeutiger Art und Weise. Überlegung tritt an die Stelle unerfahrener Unbekümmertheit, was die Risikofreudigkeit mindert
und größere Barrieren vor neu zu erlernenden Techniken aufbaut. Wie im Frauenturnen findet man die zukünftigen Meister
unter den 10 - 12jährigen, die alle
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auf der Basis sauberer Sprungtechniken sichere Doppelsprünge und dann und wann Dreifachsprünge präsentieren.
Auf der Grundlage sicherer Technik beginnt nach der Pubertät die Phase der verstärkten Entwicklung der individuellen
Persönlichkeit, die sich im Gesamtbild der nach ästhetischen Gesichtspunkten beurteilten künst-lerischen Darbietung
ausdrückt.
Nicht das "Rennen von Sprung zu Sprung", sondern die Verschmelzung von technischer Höchstleistung und vollendeter
Darbietung ist das Ziel aller Bemühungen und bewegt Laien und Fachleute zu positiver Beurteilung.
Große Probleme werden immer wieder bei Läufern sichtbar, deren Grundtechniken nicht frühzeitig abgesichert wurden.
Technische Mängel, auch bei einzelnen Sprungarten bedeuten seit Einführung von Kürklassen und Kurzküren eine nicht zu
übersehende Belastung des Läufers, der in dieser Phase seiner sportlichen Laufbahn um Stabilisierung und Variation
richtiger Techniken sowie um seine künstlerische Ausdruckskraft bemüht sein sollte.
Persönlichkeit kann der Sportler bekanntlich erst im Alter menschlicher Reife entwickeln. Dies trifft natürlich auch für die
sportliche Persönlichkeit zu und bedeutet, daß das oben beschriebene Ziel erst im Alter von ca. 17 - 22 Jahren endgültig
angesteuert werden kann. Wenn man an dieser Stelle die Hypothese bestätigt, von der oben die Rede war, muß zu diesem
Zeitpunkt der eigentliche Technik-Lernprozeß in den wesentlichen Bestandteilen im Sinne einer Frühspezialisierung
abgeschlossen sein. Bei Berücksichtigung der Jahre, in denen die Vorgänge der Pubertät für die Entwicklung maßgebend
sind, muß also der Eiskunstläufer oder die Läuferin im frühen Alter von 8 13 Jahren das eigentliche Techniktraining
erfolgreich abschließen.
Damit wird eine der Hauptphasen des Eiskunstlauftrainings zum reinen Kindertraining, das durch ein Abhängigkeitsverhältnis
zwischen Kind und Erwachsenen geprägt wird. Die daraus resultierende Verantwortung für Ubungsleiter, Eltern und
Funktionäre verpflichtet zu wissenschaftlichen. Untersuchungen zum Zweck der ständigen Neuorientierung.
2. ZIELSETZUNG
Die vorliegende Datensammlung soll als Nachschlagewerk den Einstieg in Fachdiskussionen und Problemstellungen bei
sportwissenschaftlichen Untersuchungen erleichtern. Sie stellt keineswegs eine vollständige Analyse der Trainings- und
Wettkampftätigkeiten dar, vielmehr soll sie Anstöße für solche geben.
Die Sichtung des Materials durch Trainer, Übungsleiter, Läufer und
Seite 7
Funktionäre sowie die Erkenntnisgewinnung durch weiterführende kausale Analysen sollte schließlich zu einer Sichtung der
komplexen Problematik beim Eiskunstlaufen und einer entsprechend praxisrelevanten Fragestellung bei den
notwendigerweise folgenden, gezielten sportwissenschaftlichen Untersuchungen führen.
Planungsmodell für Untersuchungen beim Eiskunstlaufen
Im Planungsmodell für den Eiskunstlauf werden die für notwendig erachteten Aktivitäten zusammengefaßt und in Verbindung
zueinander gesetzt. Erste Planungen befassen sich mit grundlegenden Überlegungen bezüglich der zu bearbeitenden
Thematik
und den davon betroffenen
Zielgruppen.
Seite 8
Beispiele:
Thematik
Technik
- Sprünge
- Pirouetten
-
- Hebefiguren
- "Wegwerfsprünge"
Kondition
- Kraft
- Ausdauer
- Koordination
Veranlagung
- Bewegungsgefühl
- Kreativität
- Musikalität
Umwelt
- soziale Belastung
- Trainer-Schüler-Verhältnis
- Leistungssport und Ausbildung, Beruf
Zielgruppen
Läufer
- Damen, Herren, Junioren, Senioren, Meister
Trainer, Übungsleiter, Sportlehrer (Schule, Hochschule), Preisrichter, Funktionär, Wissenschaftler.
Alle Fragestellungen können erst dann praxisrelevant formuliert werden, wenn allen Diskussionsteilnehmern objektive
Informationen grundlegender Art zur Verfügung stehen.
Dies geschieht durch die
Datenerhebung,
d.h. die Protokollierung der Trainings- und Wettkampfinhalte durch Eiskunstlaufexperten.
Die folgende
Analyse
zerlegt und ordnet das Material nach praktischen Gesichtspunkten. Die damit herausgestellten Elemente können nun
untereinander oder zu anderen bereits vorliegenden Elementen in Beziehung gebracht werden (siehe Datenteil).
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Interpretationen dieser Zusammenhänge führen unvermeidlich zum Bedarf nach tiefergehenden Informationen. Diese können
durch
Diagnose und Forschung
von den einzelnen sportwissenschaftlichen Disziplinen geliefert werden (z.B. räumliche Analyse von Eiskunstlaufsprüngen).
Eine Aufarbeitung zu verständlichen praxisnahen Lehrmaterialien erfolgt in Zusammenarbeit mit der
Trainingslehre.
Damit erreichen wertvolle Erkenntnisse den Endverbraucher, d. h. Trainer, Übungsleiter, Preisrichter und Funktionäre oder
den an der weiteren Bearbeitung interessierten Wissenschaftler.
Die Beteiligung der in der Sportpraxis Tätigen an der
Entwicklung praxisrelevanter Fragestellung
dürfte allgemein gesehen die Verbindung von Theorie und Praxis fördern und zur
Verbreitung sportwissenschaftlicher Grundkenntnisse
beitragen.
Ein weiteres damit verbundenes Ziel ist der
Abbau von Vorurteilen,
die sich u.a. in der unrealistischen Forderung vieler Trainer an die Sportwissenschaft nach Rezepten gegen alle möglichen
Arten sportlichen Fehlverhaltens ausdrücken. Sie basieren auf einem eindeutigen Informationsdefizit über die Aufgaben und
Möglichkeiten der Sportwissenschaft. Versäumnisse sind sowohl Praktikern als auch Theoretikern anzulasten und sollen
durch intensive Bemühungen beidseitig Interessierter abgebaut werden. Besondere Verdienste werden dabei der jungen
Sportwissenschaft Trainingslehre gutgeschrieben, die sich u.a. zum Ziel gesetzt hat, das kaum zu übersehende Material aus
allen Wissenschaftsdisziplinen für den Praktiker zu ordnen und verständlich zu machen.
Voraussetzung für jede erfolgreiche Kommunikation ist das Vorhandensein grundlegender objektiver Informationen und
Definitionen, die allen Beteiligten zugänglich und verständlich sind.
Die Subjektivität kennzeichnet die Meinungsbildung beim Eiskunstlaufen mehr als in allen anderen Sportarten.
Der Schwierigkeitsgrad der Bewegungsabläufe und die Schnelligkeit, mit der die Leistungsentwicklung im Kindes- und
Jugendalter vollzogen wird, zwingt aber immer mehr zum Versuch der
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Objektivierung
der Kontrollverfahren, die im Trainingsprozeß angewendet werden.
Die objektive Aufzeichnung von Trainings- und Wettkampfinhalten auf nationaler und internationaler Ebene von der Junioren-
bis zur Meisterklasse zeigt nicht nur querschnittartig das momentane Leistungsgefälle zwischen Individuen oder Gruppen,
sondern verspricht
Transparenz der Entwicklungstendenz,
welche u.U. Anlaß zu sportpolitischen Entscheidungen geben.
3. AUFZEICHNUNG DER TRAININGS- UND WETTKAMPFINHALTE
Während der Deutschen und Europameisterschaften im Eiskunstlaufen wurde mit der Hilfe von Experten eine weitgehend
objektive Analyse von Trainings- und Wettkampfinhalten mit der Erfassung von Kürelementen aller Teilnehmer der
Einzelkonkurrenzen eingeleitet.
Folgende Sport- und Trainerstudenten waren an der Protokollierung der Elemente beteiligt:
Gundi Haase (Trainerakademie)
Christine Henke (Deutsche Sporthochschule Köln)
Isabel Jagals de Navarre (Trainerakademie)
Harald Kuhn (Deutsche Sporthochschule Köln)
Die Aufzeichnung der ausgeführten Elemente erfolgte in den letzten Vorbereitungstagen am Wettkampfort und während der
Wettbewerbe.
Erfaßt wurden:
Sprünge,
Pirouetten
und Schritte,
zusammen mit der ungefähren
Ausführungszeit,
bezogen auf die gesamte Trainings- oder Wettkampfdauer.
Die Wertung beschränkte sich mit Rücksicht auf die Objektivität der Aufzeichnung auf die mit Sicherheit zu treffende
Aussage, ob der Sprung
gelungen
war, mit einem
Sturz
endete oder im Sinne der Regelgebung als
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schwach
zu bezeichnen war, was den Preisrichter zu entsprechenden Abzügen veranlassen mußte.
Als schwach wurden somit Sprünge eingestuft, bei denen der Läufer
- den zweiten Fuß aufsetzte,
- mit ein oder zwei Händen das Eis berührte,
- auf vorwärts mit einem "Dreier" landete,
- nach der Landung überdrehte
oder ähnliches.
Ein Sturz lag dann vor, wenn der Läufer mit beiden Knien oder dem Rumpf das Eis berührte.
Die Aufzeichnung der Schritte erwies sich als problematisch und wurde auf die vorgeschriebenen Kurzkür-Schritte
beschränkt, die vom Läufer offensichtlich in ganzer Länge vorgetragen wurden.
4. DARSTELLUNG DER AUFGEZEICHNETEN DATEN
4.1 Auf Personen bezogen
Ziel der Zusammenfassung in Diagrammen und Tabellen ist die übersichtliche, leicht erfaßbare Darstellung von Inhalten,
gegliedert nach
Umfang und Intensität.
Senkrechte Linien kennzeichnen die Elemente. Die Anzahl der Linien gibt zusammen mit der tabellarischen Auflistung
Aufschluß über den Umfang der einzelnen Elemente.
Die Häufigkeit dieser Linien, d. h. die Anzahl pro Zeiteinheit, und die Kennzeichnung der Elemente als Schritte, Pirouetten,
einfache, zweifache und dreifache Sprünge lassen gewisse Rückschlüsse auf die Intensität zu. Besondere Häufung von
Elementen ergibt das Auftreten breiterer schwarzer Linien. Dies kommt meist nur bei Kombinationen und anderen dicht
aufein-ander folgenden Elementen vor.
Nicht enthalten ist eine Beschreibung der Intensität, mit der die einzelnen Versuche durchgeführt wurden. Diese Wertung
unterblieb mit Rücksicht auf die erwünschte Objektivität der Information.
"Schwache" Versuche sind durch ein
„!“,
Stürze durch ein
„*“,
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das Abspielen der Kürmusik durch eine horizontale Linie mit senkrechten Abgrenzungen
,
das Verlassen der Eisbahn bzw. das Ende der Kür durch ein
"E"
gekennzeichnet.
Die Platzangabe im rechten oberen Eck bezieht sich auf den gekennzeichneten Wettbewerbsteil, nicht auf die
Gesamtplazierung.
Andere Informationen wie der Name des Trainers und des Vereins sind der Vollständigkeit halber gemacht und dienen der
organisatorischen Erleichterung bei der weiteren Auswertung der Daten.
Die nach oben abschließenden horizontalen Linien dienen lediglich der Übersichtlichkeit und sind ansonsten ohne
Bedeutung.
4.2 Auf Gruppen bezogen
Die Vielzahl von personenbezogenen Informationen soll aufgrund ihrer Vollständigkeit weitestgehende
Interpretationsmöglichkeiten für alle Interessenten erschließen. So ist eine gezielte Information zur Erstellung eines
langfristigen Leistungsprofils sowohl einzelner Personen als auch von Gruppen möglich.
Die Zusammenfassung zu Gruppen ist notwendig, um einen schnellen und doch eindeutigen Überblick über die
Zusammenhänge innerhalb einer sowie verschiedener Gruppen zu erleichtern. Es empfiehlt sich, bei der Nutzung des
Materials mit den Übersichten zu beginnen und zwecks Detailinformation in den personenbezogenen Datenblättern
nachzuschlagen.
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5. LEGENDE
In den Diagrammen und Tabellen wurden folgende Abkürzungen verwendet:
A
Axel
Ae
Axel, Landung auf rückwärts-einwärts
B
Butterfly
D
Dreiersprung
E
Euler (Rittberger auf rückwärts-einwärts)
eA
Axel, Absprung von vorwärts-einwärts
ELEM.
Gesamtanzahl der Elemente
eSi
eingesprungene Sitzpirouette
eWa
eingesprungene Waage
F
Flip
g
gewechselt
Hi
Himmelpirouette
L
Lutz
MIN
Minuten (bezogen auf die Trainings- bzw. Wettkampfdauer)
oA
offener Axel (=Flugaxel)
PIR
Diagramm: Pirouette
PIR.
Tabelle: Gesamtanzahl der Pirouetten
R
Rittberger
r
rückwärts
S
Salchow
SCHR
Diagramm: Schritte
SCHR.
Tabelle: Gesamtanzahl der Schritte
Si
Sitzpirouette
Sp
Spreizsprung
SPRG.
Gesamtanzahl der Sprünge
St
Standpirouette
T
Toeloop
VERZÖG.
verzögerte Ausführung
VZ.
verzögerte Ausführung
W
Walley
Wa
Waagepirouette
Wag
Waagepirouette, gewechselt
!
schwacher Versuch
*
Sturz
6. AUSWERTUNG DER DIAGRAMME UND TABELLEN
Die Interpretation objektiver Daten ist mit einem hohen Grad an Subjektivität behaftet. An Interpretationen gebundene
Aussagen sind also mit Bedacht zu machen und die vorliegenden Umstände mit in Rechnung zu stellen.
Bei der Auswertung sind dem Nutzer viele Möglichkeiten gegeben. Die nachfolgenden Vorschläge sind unvollständig und
sollen vor allem dem Praktiker nach dem Motto
„aus der Praxis für die Praxis"
als Anregung zur Fragestellung dienen.
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Am Beispiel verschiedener Läufer werden Merkmale und Zusammenhänge in Kurzkommentaren stichwortartig
herausgestellt.
6.1 PERSONENBEZOGENE AUSWERTUNG
6.1.1 INHALT UND AUSFÜHRUNG
Beispiel: Schramm - Herren, Meister, Training, Kür (7.1.81)
- 40 Sprungversuche in 34 Minuten
- 5 verschiedene Arten von Dreifachsprüngen (Weltklasse !)
- 16 gelungene Dreifache, auch in Kombinationen
- 8 Pirouetten in wechselnder Zusammenstellung
- konsequentes Aufwärmen mit gradueller Steigerung der Schwierigkeiten
- erfolgreiches Durchlaufen mit Musik; 7 gestandene Dreifache
Beispiel: Cerne - Herren, Meister, Training, Kür (7.1.81)
- nur 3 verschiedene Arten von Dreifachen
- Pirouetten ohne viel Variationen
- nur 6 gelungene Dreifache
- im letzten Teil der Kür Anhäufung von einfachen und zweifachen Sprüngen
Beispiel: Fischer - Herren, Meister, Training, Kür (7.1.81)
- 28 Dreifache, 1 Sturz, 9 schwach
- 5 verschiedene Arten von Dreifachen (Weltklasse !)
- 8 Dreifache in den ersten 2 Minuten der Kür
Beispiel: Wieser - Herren, Meister, Training, Kür (7.1.81)
- 72 Elemente in 38 Minuten !
- 59 Sprünge
- 21 Dreifache, davon 10 schwach, 1 Sturz
- nur 2 verschiedene Arten von Dreifachen
Beispiel: Riediger - Damen, Meister, Training, Kurzkür (9.1.81)
- nur 3 Dreifache, davon 2 schwach
- 13 Pirouetten in 25 Minuten
Beispiel: Riegel - Damen, Meister, Training, Kurzkür (9.1.81)
- 13 Dreifache Salchows, 5 schwach
- 41 Sprünge in 35,5 Minuten, davon 12 schwach, 3 Stürze sogar bei einfachen Sprüngen
- Musik nicht genutzt
- Dreifach-Kombination gegen Ende der Kurzkür
Beispiel: Bauer - Damen, Meister, Training, Kurzkür (9.1.81)
- 23 Sprünge in 22 Minuten
- kein Dreifacher
- 15 schwache Versuche
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Beispiel: Massaneck - Damen, Meister, Training, Kür (10.1.81)
- 5 Stürze, 4 davon beim 2A
- 12 Jahre alt (sehr jung)
- 10 Pirouetten
6.1.2 VERGLEICH TRAINING-WETTKAMPF
Beispiel: Fischer - Herren, Meister, Kür 10.1.81
- Training: mit Musik nur 3 Dreifache
- Wettkampf: 7 Dreifache
Beispiel: Wieser - Herren, Meister, Kür (10.1.81)
- Training: mit Musik nur 1 Dreifacher
- Wettkampf: 4 Dreifache
Beispiel: Riediger - Damen, Meister, Kür (10.1.81)
- Training: mit Musik nur 4 Dreifache
- Wettkampf: 5 Dreifache
Beispiel: Dotson - Damen, Meister Int., Kür (7.2.81)
- Training: 2 Dreifache
- Wettkampf: kein Dreifacher
6.1.3 ABWEICHUNGEN VOM ÜBLICHEN TRAININGSMETHODISCHEN KONZEPT
Beispiel: Ostheimer - Herren, Meister, Training. Kür (7.1.81)
- vor dem Durchlaufen der Kür ca. 15 Min. sehr geringe Belastung (zu lang)
Beispiel: Telser - Damen, Meister, Int., Training, Kurzkür 6.2.81-8,00
- außerordentlich hohe Belastung am Vorwettkampftag durch 77 Sprünge, davon 28 Dreifache, 25 schwache Versuche und 6
Stürze (gilt ebenfalls für das Kürtraining am Wettkampftag)
Beispiel: Dubravcic - Damen, Meister, Training, Kurzkür (6.2.81 - 7.00)
- ungewöhnlich viele Sprungkombinationen
Beispiel: Wolter - Herren, Junioren, Training, Kür (6.1.81-18,45)
- sofortige volle Belastung bei Trainingsbeginn mit Doppelsprüngen
- 9 Stürze im folgenden Training.
6.2 GRUPPENBEZOGENE AUSWERTUNG
6.2.1 ZUSAMMENHANG ZWISCHEN PLAZIERUNG UND SPRÜNGEN
Bei Junioren- und Seniorenwettbewerben sind kaum Unterschiede zwischen Anzahl der Sprungarten und Gesamtanzahl der
Sprungversuche bezüglich der Plazierung festzustellen, während die Anzahl gelungener Versuche auf den hinteren Plätzen
abnimmt. Dies ist ein Hinweis darauf, daß die besseren Plazierungen hauptsächlich durch die Qualität der Ausführung und
den künstlerischen Wert erreicht werden.
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In der nationalen und internationalen Meisterklasse nimmt die Anzahl der dreifachen Sprungarten, der Gesamtversuche und
der gelungenen Versuche eindeutig mit wachsender Platzziffer ab. Vielseitigkeit und sichere Ausführung sind damit als
Gütekriterien der vorderen Plätze bestätigt.
Ein Vergleich der Erst- und Zweitplazierten der Damen bei den Europameisterschaften läßt Rückschlüsse darauf zu, daß die
altgediente Meisterin trotz kleinerem Risiko (niedrigere Anzahl der dreifachen Gesamtversuche) weniger gelungene Versuche
verbucht. Hier bestimmen künstlerischer Wert und andere schwer wägbare Faktoren den Titelgewinn.
Die Kurzkür-Gesamtübersichten zeigen deutlich die Abhängigkeit guter Plätze von Risikofreudigkeit (Dreifachkombinationen)
und Sicherheit.
6.2.2 ZUSAMMENHANG ZWISCHEN ZWEIFACHEN UND DREIFACHEN
Der hohe Grad der Beanspruchung und des Risikos durch Dreifachsprünge wird beim Betrachten der damit im
Zusammenhang stehenden Doppelsprünge deutlich.
- Carola Paul versucht als einzige Läuferin 4 verschiedene Arten von Dreifachsprüngen. Bei einer Gesamtanzahl von 5
Versuchen gelingen nur 2. Die Versuche, diesen hohen Schwierigkeitsgrad zu erreichen, lassen ihr nur Zeit und Kraft für 3
Doppelsprünge, wovon einer mißlingt.
- Bei den meisten Läufern nimmt die Anzahl der Doppelsprünge bei geringfügig zunehmender Anzahl von Dreifachsprüngen
deutlich ab (siehe Herren, Meister, Wettkampf, Kür Unna).
Ausnahme ist Sanda Dubravcic, die außergewöhnlich viele Doppel- und Dreifachsprünge in Kombinationen aneinanderreiht.
6.2.3 ZUSAMMENHANG ZWISCHEN SPRUNGARTEN UND GELUNGENEN SPRUNG-VERSUCHEN
Das Risiko, Vielseitigkeit durch viele verschiedene Sprungarten zu demonstrieren, wird meist mit einer geringeren Anzahl
gelungener Versuche bezahlt (siehe Biellmann, Paul, Schramm, Kotin, Fadeev).
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Verlaufen diese Versuche allerdings erfolgreich, kann der Läufer mit einer relativ guten Plazierung in diesem Wettbewerbsteil
rechnen, selbst wenn der künstlerische Wert zu wünschen übrig läßt (siehe Kirsten).
6.2.4 VERGLEICH ZWISCHEN DAMEN- UND HERRENWETTBEWERBEN
Junioren
- Durchschnittsalter der Herren 14,2 Jahre, der Damen 13,3 Jahre
- keine gelungenen Dreifachsprünge bei Damen- und Herrenwettbewerben
- etwas höherer Schnitt der Art von Doppelsprüngen und deutlich höhere Anzahl von Gesamtversuchen bei den Herren
- bei fast allen Damen und Herren auffallend hohe Anzahl mißlunger Versuche.
Senioren
- Durchschnittsalter der Herren 15,2 Jahre, der Damen 14,5 Jahre
- geringere Teilnehmerzahl bei den Herren
- nur 1 gelungener Dreifachsprung (2. Platz Damen)
- mit Rücksicht auf die sportmotorische Gesamtentwicklung müßte im vorliegenden Alter mindestens die Grobform der
Dreifachsprünge beherrscht werden. Entsprechende Leistungen werden aber besonders bei den Herren weder im Training
noch im Wettkampf erbracht.
Die Unsicherheit bei den Doppelsprüngen läßt außerdem vermuten, daß auch im Training außerhalb der Wettkampfzeit
Dreifachsprünge nicht ausreichend beherrscht werden. An dieser Stelle müßte die Spitze der Senioren mit den
internationalen Junioren-Teilnehmern verglichen werden. Die dazu nötigen Daten liegen jedoch nicht vor.
Meister - national
- Durchschnittsalter der Damen 15,3, der Herren 18,7 Jahre
- die Alterszusammensetzung ist ein Hinweis auf das frühe Eintreten von Talenten in die Meisterklasse (siehe Anke
Massaneck, 12) und das verfrühte Ausscheiden der Mädchen aus dem Leistungssport, für
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das u.a. erhöhter Konkurrensdruck durch hohe Teilnehmerzahlen und relativ hohe physische und soziale Belastung
verantwortlich sind. Langfristige Beobachtung von Aufwand, Wettkampfleistung und Alter bis zum Ende der "sportlichen
Karriere" könnte zur Klärung der Ursachen beitragen.
- Die Altersdifferens ist ein eindeutiger Hinweis auf die physische Überlegenheit der Herren, die geschlechtsbedingt
vorgegeben ist. Dies wird bestätigt durch die Gesamtübersichten, die ein deutlich niedrigeres Niveau bei den Damen
bezüglich Inhalt und Ausführung sichtbar machen.
So wurden bei den Herren bis zum 7. Platz in der Kür keine mißlungenen Doppelsprünge registriert, während die Damen pro
Person 1,1 Doppelsprünge verfehlten.
- Bei den Damen riskierte Ernert (5. Kürplatz) als einzige Teilnehmerin 3 verschiedene Arten von Dreifachsprüngen. Alle
Versuche mißglückten.
Die ersten 3 Damen versuchten nur 3 verschiedene Arten mit bezüglich der Plazierung sinkendem Erfolg, während die
Herren bis zum 10. Pla mindestens 2 Arten von Dreifachsprüngen versuchten.
Die hohe Anzahl von 5 verschiedenen Arten von Dreifachsprüngen bei den Herren repräsentiert Weltklasseniveau, das von
den Damen auch international kaum erreicht werden dürfte.
An dieser Stelle sei bemerkt, daß es sich bei der vorliegenden Arbeit nur um eine versuchsweise interpretierte Analyse der
Elemente, vorrangig der Sprünge, handelt. Das Ergebnis soll keineswegs das Eiskunstlaufen der Damen abwerten. Vielmehr
kann anhand der krassen technischen Unterschiede die voraussehbare Auseinanderentwicklung zwischen Damen- und
Herrenwettbewerben deutlich gemacht werden.
Die möglicherweise folgende Erkenntnis, daß das Damen-Eiskunstlaufen von einer Betonung der Sprünge in der Gesamtheit
eher geschädigt als gefördert wird, könnte u.U. zu einem entkrampfenden Umdenken führen, so daß Damen wie Herren
entsprechend den naturgegebenen Möglichkei eiskunstlaufen können.
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Meister - international
- Durchschnittsalter der Damen 17,8 Jahre, der Herren 19,3 Jahre
Im Sammelbecken der Spitzenläufer der eislaufenden europäischen Nationen besteht zwischen Damen und Herren kein so
deutlicher Altersunterschied wie auf nationaler Ebene.
- Bei den Damen mißlingt pro Person im Durchschnitt die Hälfte von 2,2 Dreifachen, bei den Herren nur ein Drittel von 4,5,
was auf die körperliche Überlegenheit der Herren zurückzuführen ist.
Die Damen kompensieren dies teilweise durch erhöhte Anzahlen von Doppelsprüngen.
- Bei der Kurzkür präsentiert sich ein ähnliches Bild wie bei den Küren.
7. ABSCHLIESSENDE BEMERKUNGEN UND AUSBLICK
Den Interpretationsmöglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt. Jeder Interessent soll eigene Erfahrungen und entsprechende
Gesichtspunkte einfließen lassen. Daraus entstehende Widersprüche müssen zu konkreten Fragestellungen formuliert und
anhand gezielter Analysen untersucht werden.
Die Nutzbarkeit von Statistiken oder ähnlichen, weniger anspruchsvollen Datensammlungen hat Grenzen, die auch im
vorliegenden Fall nur schwer erkennbar sind. Mit Rücksicht auf diese Problematik kann die "Analyse" mit den
anschließenden Interpretationsbeispielen jedoch als Basismaterial in nutzbringender Weise verwendet werden.
Der vorliegende Querschnitt des Leistungsstands 1981 auf nationaler und europäischer Ebene sollte sinnvoll ergänzt werden
durch Trainings- und Wettkampfanalysen, die langfristig über die Gesamtentwicklung dieser Sportart Aufschluß geben.
zum DATENTEIL, Seite 20